Kampagne in eigener Sache
Ende Januar veröffentlichte The Global Journal eine Liste mit den Top 100 NGOs 2012 (2012 Top Best NGOs by the Global Journal). Bei mir und einigen Kolleginnen und Kollegen aus Nichtregierungsorganisationen wie der Innovations for Poverty Action (Platz 87) tauchten einige Fragen auf. Fragen nach den Machern, nach der Methode und den Kriterien – und wie kann es sein, dass hierzulande so bekannte und angesehene Organisationen wie beispielweise Greenpeace gar nicht auftauchen?
Um diese Fragen zu beantworten muss man die “Studie” genau lesen. Man muss heraus finden welche Kriterien angewendet wurden und wie es zur Bewertung kam. Welche Organisation kamen überhaupt – und warum – unter die 1.000 NGOs, die zur Auswahl standen? Das alles würde unsere Ressourcen übersteigen. Es ist allerdings fraglich ob es überhaupt so etwas wie eine Methode gab. Im Blog Find What Works hat sich Dave Algoso die Mühe gemacht beim Autor der Studie nachzufragen. Kommentare und eine Reaktion des Herausgebers des Global Journal, Jean-Christophe Nothias könnt Ihr dort nachlesen. Ebenfalls kritisch befasst sich der Blog Global Humanitarian Assistenz mit dem NGOs Ranking.
Wie bei vergleichbaren Veröffentlichungen, etwa der Liste der beliebstesten Arbeitgeber in der Wirtschaftswoche oder Oscar-Verleihung profitieren meist alle Beteiligten davon.
Für das Global Journal, das jetzt auch mir bekannt ist, liegt der Gewinn sicher in der guten Platzierung bei google. Eine der Herausforderungen im Suchmaschinen-Marketing (Search Engine Optimization SEO) ist die Jagd nach populären Links. Je häufiger eine Seite nämlich mit anderen populären und themenverwandten Seiten verlinkt wird, desto höher steigt die Seite im Ranking einer Suchmaschine. Im Fall vom Gobal Journal scheint das hervorragend gelungen. Organisationen wie die Wikimediafoundation (Paltz 1) und Oxfam (Platz 3) haben nämlich ganz stolz im Internet über ihre Platzierung berichtet und in ihren Artikeln die Liste des Global Journals verlinkt.
Das Ergebnis ganz sich sehen lassen. Meine unmethodischen Stichproben ergaben bei einer Google Suche nach dem Stichwort “top ngos” die Plätze 2 und 3 für und nach dem Stichwort “best ngos” sogar die Plätze 1 und 2. Es bleibt allerdings offen, wie viele Menschen tatsächlich nach solchen Begriffen suchen.
Der Kampaigner freut sich über die Verlinkung auf Euren Seiten!
Bei Google unterzeichneten mehr als sieben Millionen Menschen eine Petition. Die englischsprachige Wikipedia-Seite blieb Gestern “schwarz” – aus Protest. Protest gegen ein geplantes US-Gesetz, das Freiheiten im Internet bedrohen würde, der Stop Online Piracy Act (SOPA) und der Protect IP Act (PIPA).
Nun ist das 12-stündige Abschalten einer Internetseite, auch wenn es die Seite von Wikipedia ist, noch nicht spektakuläres, über das zu berichten sich lohnt. Am Mittwoch trat aber ein, was sich viele für den Euro-Rettungsschirm wünschen: Ein Hebel!
Innerhalb kurzer Zeit beteiligten sich unzählige Websites an der Aktion – Seiten von kleinen Bloggern und von großen Organisationen auch aus Deutschland. Bereits zur Mittagsstunde waren die Gesetze Thema in den Hauptnachrichten. Im Deutschlandfunk wurde um 12:00 berichtet welche deutschen Betreiber von Interseiten sich an der Protestaktion beteiligen.
Der Protes zeigt Wirkung: Mehrer US-Senatoren beider Parteien wollen ihre Haltung zu den Gesetzen “überdenken”, wie die Washington Post schreibt.
Sahen wir mit dem “Blackout Day” ein kraftvolles Protestmittel? Eine Aktion, ob im Internet oder auf dem Dach eines Atomkraftwerkes muss einige Kriterien erfüllen um erfolgreich sein zu können. Sie muss zu dem Thema, in diesem Fall zum Internet, passen. Das Thema muss viele Menschen berühren und die Freiheit im Internet betrifft praktisch alle. Das Anliegen muss verständlich und nachvollziehbar sein. Auch das war gegeben. Und die Aktion muss professionell durchgeführt und begleitet werden.
Übrigens, mit ACTA gibt ein europäisches Pendant zum SOPA, wie Markus Beckedahl von netzpolitik.org in einem Zeit-Online Interview erläutert.
Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenezen e.V. feiert am 21.Dezember ihren 40. Jahrestag. Zu diesem Anlass hat die Organisation eine Facebook-Kampagne gestartet. Über die Website www.mein-profil-fuer-msf.net können sich Facebook-Nutzer eintragen und 24 Stunden lang mit drei Einträgen auf der eigenen Pinnwand auf die Arbeit der Organisation hinweisen. Damit machen sie ihre Freunde auf den Facebook-Auftritt von Ärzte ohne Grenzen aufmerksam und tragen aktuelle Informationen über die Hilfe für Menschen in Not weiter. Das Ziel der Aktion ist es, mit dem 40. Jahrestag der MSF-Gründung 40.000 Fans des deutschsprachigen Facebook-Auftritts der Organisation zu erreichen, wie es in der Pressmitteilung heisst.


Verärgert über die Politik der Nicht-Einmischung des Roten Kreuzes während des sogenannten “Biafra-Krieges” gründete eine Gruppe junger Ärzte die Organisation Medecins sans Frontieres MSF (deutsch: Ärzte ohne Grenzen). Die Ärzte ohne Grenzen haben sich ihre kritische Haltung zum Teil bis Heute erhalten. So riefen sie einige Tage nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien dazu auf die Spenden an die Organisation für die Katastrophe einzustellen. Das Geld würde woanders dringender gebraucht, hiess es. Dazu steht die Organisation noch heute, wie Ulrike von Pilar, damals Geschäftsführerin der deutschen Sektion, dem Ärzteblatt sagte.
Wir meinen: Genug Grund mehr als sein Profil zu spenden!
Wenn der Nachbar böses plant …
Wir haben es vernommen: Trotz Tschernobyl, Fukushima, bestehendem Baustopp und dem Atomausstieg hierzulande – Polen will in die Atomkraft einsteigen. Die Grünen in Polen sind schwach und die Regierung bezuschusst eine Kampagne zur Aufklärung der Nutzung der Kernenergie mit vorerst rund einer Millionen Euro, wie die Zeit berichtete.

Da kann etwas Schützenhilfe der deutschen Grünen nicht schaden. Auf ihrer Online-Kampagnenplattform Meine Kampagne haben Bündniss 90/Die Grünen aus Brandenburg eine Einwendungsaktion gegen die ponischen Einstiegspläne in die Atomkraft gestartet. Noch bis zum 4. Januar 2012 können Bürgerinnen und Bürger aus den Nachbarländern nach EU-Recht ihre Eingaben an die zuständige Ministerin Hannah Trojanowska senden. Diese muss ihre Pläne einer sogenannten “strategischen Umweltprüfung” (SUP) unterziehen und die Stellungnahmen, auch die deutscher EU-Bürger, berücksichtigen.
Schade, dass auf der Internetseite bei den Grünen nicht erklärt wird wie die Stellungnahmen berücksichtigt werden müssen und warum es sinnvoll ist möglichst viele Einwände in Polen einzureichen. Gehen die Initiatorinnen und Initiatoren von einer Selbstverständlichkeit aus, oder wollen sie lieber nicht erwähnen, dass die Einwendungen “nur” politisches Druckmittel sind. Geht es möglicherweise auch darum die Wege für künftige Klageverfahren gegen die Pläne zu bahnen?
Die Plattform Meine Kampagne wird von den Grünen vor allem auch Nicht-Mitgliedern angeboten um politische Themen die “ihnen am Herzen liegen” zu unterstützen. Über andere Kampagnen-Plattformen haben wir bereits berichtet. Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit Meine Kampagne einmal auszuprobieren.
Wer es lieber ohne Registrierung mag, kann sich aber auch beim Umweltverband BUND eine Musterstellungnahme herunterladen oder diese einfach gleich online ausfülllen. Beim BUND plant man noch mehr. So soll die Bundesregierung dazu bewegt werden sich in der Sache deutlich zu postionieren. Die Stellungnahme gibt es auch beim Umweltinstitut München e.V. . Und wer seine Familie und Freunde gleich mit ins Boot holen möchte kann ebenfalls beim Umweltinstitut eine Unterschriftenliste herunter laden und für die Einwendungen sammeln gehen – vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt?
Das wäre doch ein guter Grund für einen weiteren Besuch!
Gelegenheit für einen Blick auf die Szene.
Am 31. Juli hat Greenpeace das einjährige Bestehen der Kampagnen-Plattform GreenAction verkündet. Im Sommer 2009 ist GreenAction online gegangen. Unter dem Stichwort “campaigning 2.0″ hat der deutsche Greenpeace-Ableger mit dieser Kampagnen-Plattform einen wesentlichen Teil seiner Internet-Strategie umgesetzt.
In einem Gespräch mit CampaignOnline zieht Jan Haase, Community Manager bei Greenpeace eine positive Bilanz. Auch wenn man sich etwas schnelleres Wachstum und eine etwas höhere Nutzerzahl gewünscht hätte, über 7.100 Internet-Aktivisten haben fast 1.000 Kampagnen initiiert. Nur eine einzige Kampagne musste der Zensur zum Opfer fallen, weil sie die Kriterien der Macher nicht erfüllt hatte. Um die Anzahl der Aktivisten gegenüber den Kampagnen-Initiatoren zu erhöhen will Greenpeace die Eintrittsschwelle senken. So soll es demnächst nicht mehr nötig sein, sich für die Teilnahme an Kampagnen auf GreenAction zu registrieren. Nur wer eine Kampagne plant und initiiert muss sich auch weiterhin anmelden.
Auf GreenAction lassen sich öko-soziale Netzwerke knüpfen und gemeinsame Kampagnen und Aktionen zu Themen des Umweltschutzes gleichermaßen planen. Die Blogs auf GreenAction dokumentieren die Historie einer Kampagne und sollen, so die Idee, einen jederzeitigen Einstieg in eine laufende Kampagne oder ein Thema ermöglichen.
Vergleichbare Plattformen gibt es in Deutschland kaum. Lediglich auf der Plattform der Tageszeitung, bewegung.taz.de lassen sich ähnliche Projekte organisieren. Diese sind dann allerdings, anders als bei GreenAction nicht an Umweltthemen gebunden. Hier finden sich auch Aktivitäten zu alternativen Geldsystemen oder gegen Sozialabbau.
Die Idee der Internet-Plattformen für Bürgerliches Engagement ist nicht ganz neu. Angelehnt an die US-amerikanische Non-Profit-Organisation MoveOn.org entstanden weitere Plattformen für Aktivisten-Netzwerke wie beispielsweise in Australien GetUp-Action for Australia oder das mittlerweile sehr bekannte und auch in Deutschlad aktive Avaaz.org. Avaaz hatte jüngst einen großen Erfolg in Brasilien zu verzeichnen. Mit Unterstützung der größten Online-Kampagne Brasiliens konnte ein Gesetz gegen Korruption und Geldwäsche verabschiedet werden. Avaaz sammelte über 2 Millionen Unterschriften für eine Petition, begleitet von einer riesigen Zahl an Aktionen und Aufrufen. Ein Beispiel für die hohe Leistungsfähigkeit der Organisationen. Das deutsche Pedant zu Avaaz, MoveOn und GetUp ist campact.de. Auch bei campact finden sich Kampagnen-Themen aus verschiedenen Bereichen.
Während bei campact und seinen Vorbildern die Aktivisten-Community befragt wird, welche Kampagnen sie haben will und daraufhin die campact-Kampaigner entschieden welche Kampagnen auf der Plattform durchgeführt werden, kann bei GreenAction und der bewegung.taz im Prinzip jeder eine Kampagne starten. Also durchaus ein Werkzeug für kleinere Projekte vor Ort. Wir werden das gelegentlich testen und berichten,
einstweilen Gratulation an die Macher bei GreenAction.
Ingo Bokermann