Aus der Rüben-Kampagne lernen
22.December, 2009
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Kampagnen zum Klimagipfel

Der Weltklima-Gipfel in Kopenhagen markiert den Durchbruch für Online-Kampagnen von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Das Internet wird zum zentralen Medium für NGO-Kampagnen.

Noch sitzt der Frust tief über das (Nicht)Ergebniss des Weltklimagipfels von Kopenhagen. Nicht nur die vielen AktivistInnen, die in den vergangenen Monaten für ein globales Klimaabkommen geworben haben sind enttäuscht, auch große Teile der Öffentlchkeit – glaubt man den Pressestimmen auf Eurotopics. Ob die zwei-wöchige Veranstaltung den Grundstein für eine neue Weltklimaordnung gelegt hat, wie es deutsche Regierungsmitglieder jetzt glauben machen möchten, wird sich erst noch zeigen.

Ein globales Ereigniss war der Gipfel in jedem Fall, und das ganz wesentlich Dank des Internets. Das Internet ist nicht nur Motor der Globalisierung sondern auch Medium des globalen Bürgers. Viele Millionen Klimaschutz-Stimmen der Weltbürger haben hunderte von Organisationen, Medien und Unternehmen mit Hilfe des Web2.0 in den vergangenen Monaten gesammelt. Eine beeindruckende Liste vieler aktiven Organisationen und deren Kampagnen erhält man, wenn man einen Blick auf die Liste der Twitter-Follower des Online-Magazins Wir-Klimaretter ansieht.

Die größten Stimmensammler waren beim Worlwide Fund for Nature, WWF und seinen vielen Partnern unterwegs. Unter dem Motto “Vote Earth”  und “Hopenhagenwurden so ca. sechs Millionen Stimmen organisiert. Sie wurden am 16. Dezember dem damaligen UN-Gernerasekretär Ban Ki-Moon mit einer 350 Gigabyte großen Festplatte übergeben. “Hopenhagen” wurde übrigens mit Partnern wie Coca-Cola, Siemens, SAP und BMW betrieben. Eine weitere Stimmensammel-Kampgne auf der Seite von Tcktcktck brachte es auf ca. 15 millionen Stimmen.  Tcktcktck besteht aus einer globalen Koalition vieler Verbände, darunter wieder der WWF, World Vision Australia und Greenpeace International, letztere mit einer schönen Animation zum basteln des eigenen Protestpaketes.

An einem bundesweiten Aktionstag startete die deutsche Sektion von Greenpeace am 5. Dezember eine andere Stimmensammel-Aktion. Auch die Greenpeace-AktivisInnen sind nicht mehr mit Kugelschreiber und grauen Papier unterwegs, aber immerhin noch mit Infoständen. Unter dem Motto “Twittern mehr Klimaschutz” haben ehrenamtliche AktivistInnen von Greenpeace kleine “Twitterbeiträge” gesammelt. Auf einer sogenannten “Twitterwall” einem großen LCD-Bildschirm,  konnten Passanten  auf dem Pariser Platz in Berlin life die Beiträge mitlesen. Das ging natürlich auch dirkt bei der 2015 eingestellten Aktionsplatform greenaction von Greenpeace. Auf diese Weise konnten nicht nur Menschen mit Twitter-Account teilnehmen. Auch Menschen, die über keinen solchen Account verfügen und gerne – wie früher am Infostand – Ihren Protest kundtun wollten, waren eingebunden. Die Greenpeace-Eherenamtlichen haben die Botschaften dann direkt am Stand in den Laptop gehackt.


Schauen wir nochmal kurz auf die Insel. Eine breite Koalition aus über 100 Organisationen hat sich in UK und Irland  formiert. Unter der sich “Stop Climate Chaos Coalition” nennenden Gemeinschaft befinden sich Organisdationen wie Christianaid, cafod, Friends of the Earth, Oxfam, Greenpeace, WWF und UNICEF. Mit dem Banner “The Wave” haben sie für den “größten Klimawandel Protestmarsch, der nach eigenen Angaben je stattgefunden hat” getrommelt. Die Protestveranstaltungen fanden am 5. Dez. u.a. in London, Dublin, Belfast und auch Glasgow statt.

Für die Veranstaltung wurde u.a. mit einer Online-Welle geworben. Auf einer eigens eingerichteten – inwischen nicht mehr existenten (Stand 4/2017) – Web-Site “The Wave” konnten Aktivistinnen und Symphatisantinnen Teil einer globalen Welle werden, indem sie als Einzelpersonen oder in Gruppen “Die Welle” von links nach rechts darstellten und sich dabei gefilmt haben. Die kleinen Filmchen wurden dann auf die Seite hochgeladen und konnten per Mausklick über Twitter, Facebool oder per E-Mail verteilt werden.

Mit den Aktivitäten vor und zum Weltklimagipfel muss die Bedeutung des Internets für künftige Kampagnen-Arbeit neu bestimmt werden. Waren bisher Internet-Kampagnen mehr oder weniger Anhängsel der für die “reale Welt” gedachten Kampagnen oder nur für AktivistInnen der “Digital Natives” von Bedeutung, werden sie künftig im Mittelpunkt stehen müssen. Besonders dann, wenn der Kampagnen-Anlass ein globaler wie der Weltklima-Schutz ist.