Unterschriften: Übergabe gescheitert?

Eine Unterschriften-Sammelaktion, ob im Netz oder auf der Straße, gehört zu so ziemlich jeder Kampagne. Die Unterschrift ist der Minimal-Protest für die gestresste Bürgerin und den gestressten Bürger. Im Fall der FDP-Blockade gegen eine Spekulationssteuer haben Attac und Campact 100.000 Signaturen eingesammelt. Die müssen natürlich in angemessener Form, also medienwirksam, übergeben werden. Adressat ist der FDP-Parteivorsitzende Philipp Rösler. Gestern sollte die Übergabe statt finden. Doch der hatte anderes vor. Fiel deswegen das Foto für die Medien aus?

(Foto: Ruben Neugebauer / Campact)

Natürlich nicht. Die erfahrenen Campaigerinnnen und Campaigner haben damit schon gerechnet und einen “Ersatzauftritt” organisiert. Wenn es nicht der echte Herr Rösler ist, dann tut es auch ein Falscher. Der Vorteil ist dass Dieser dann Dinge sagen und tun kann, die der Echte nicht tun würde. Auf die Medienresonanz kann das sogar eine positive Wirkung haben. Ob es der echte Philipp Rösler in die “Bilder des Tages” bei nt-v geschafft hätte?

Die Sammalaktion geht weiter.

Die Marathon-Saison hat noch nicht begonnen, doch die Anmeldefristen laufen bereits. Eine Möglichkeit seinen Sport mit einer “Guten Tat” zu verbinden bietet der Spendenlauf (auch Sponsorenlauf, Benefizlauf). Es werden beispielsweise lokale Sponsoren gesucht, die etwa pro gelaufenen Kilometer oder für eine bestimmte Zeit einen Betrag X Spenden. Das eingesammelte Geld kommt dann einer gemeinnützigen Einrichtung oder einem Projekt zugute. Das kann im Rahmen einer bestehenden Laufveranstaltung geschehen oder es werden extra Spendenläufe organisiert. Letzteres ist an Schulen beliebt. So hat das Wilhelm-Gymnasium in Hamburg 2009 einen Spendenlauf zu Gunsten des UNICEF-Bildungsprojektes “Schulen Für Afrika” organisiert und dabei über 12.000 € erlaufen.

Die Welthungerhilfe unterstützt mit ihrer Kampagne LebensLäufe zusammen mit dem Deutschen Leichtathletikverband die Organisation solcher Veranstaltungen und stellt u.a. Lehrmaterial zum Thema bereit.

Wer gerne einen der großen Städtemarathons nutzen möchte kann selbstverständlich selbst aktiv werden oder aber z. B. beim Haspa-Marathon in Hamburg unter dem Slogan “Dein Schweiss für Wasser!” einen Charity-Startplatz von Viva con Agua für ein etwas höheres Startgeld buchen.

Die Hilf- und Entwicklungsorganisation Oxfam veranstaltet einmal im Jahr den Trailwalker, ein 100km Trekkinglauf durch den Harz. Dabei sammelt ein Team, bestehend aus vier Menschen 2.000 € vor dem Start als Spenden ein.

In England geht es noch professioneller zu. Dort meldet man sich für einen der großen Läufe wie dem London Marathon im Oxfam-Team an. Damit verpflichtet die Läuferin oder der Läufer sich neben der Startgebühr einen Mindesbetrag an Spenden zu sammeln. Dafür gibt es dann Hilfe und Tipps für die eigene Kampagne, die eigene Homepage inklusiv.

Ebenso professionell kann man über Agenturen wie Virgin Money Giving oder JustGiving eine passende Veranstaltung sowie eine passende Organisation die das Geld bekommen soll finden. Die Agenturen arbeiten mit Fundraisern der entsprechenden Organisation zusammen.

Der Campaigner geht jetzt trainieren.

Die Umweltbilanz des US-Präsidenten Obama fällt dürftig aus aber die Kritik daran hält sich in Grenzen. Es erfordert Mut einen Präsidenten der Demoktaten im Wahljahr zu kritisieren. Zu leicht könnten die Töpfe der Demokraten-Förderer für die Kritiker geschlossen werden. Im Couterpunch, einem politischen Newsletter aus den Vereinigten Staaten wurden zu Jahresbeginn “Zehn aufrichtige Gruppen von Ökoaktivisten, die etwas bewirken und Umweltschutz vor politische Interessen stellen”, vorgestellt. Hier sind zwei Initiativen, die uns besonders sympathisch sind:

Die Buffalo Field Campaign

Seit 1985 hat die Regierung des Bundesstaates Montana im Einklang mit Viehzüchtern über 6.800 Bisons getötet. Die Tiere sind aus dem Yellowstone National Park abgewandert. Das Schlachten wird mit der möglichen Übertragung von Brucellose, die man hier auch unter den Bezeichnungen Mittelmeer- oder Maltafieber kennt, auf die Kühe begründet. Allerdings wurde bisher keine Übertragung von einem Bison auf eine Kuh nachgewiesen. Auch andere Gründe sprechen den Aktivisten zufolge gegen eine mögliche Übertragung. Die Buffalo Field Campaign hat das “schreckliche Blutbad” als politische Trickserei entlarvt. Die Aktivisten dokumentieren das Töten und stellen sich zwischen zwischen die Bisons und ihre Jäger. Wer mitprotestieren und einen Brief an President Obama senden möchte kann hier tun:

Die climate ground zero Kampagne

Die Kämpfe an der Front gegen den Kohleabbau in den USA werden nicht in Durban oder in Washington ausgetragen. Sie finden in den Minenstädten in Kentucky, Tennessee und West Virginia statt.  Dort setzen sich die Einwohner mit Ihrem Körper zur Wehr und versuchen eine besonders brutale Methode des Kohlebergbaus, das sogenannte “top removal mining“, zu verhindern. Mit dieser Methode werden riesige Waldflächen vernichtet, toxische Rückstände begraben und die Lebensweise der Bergbevölkerung zerstört. Die Bergbauunternehmen schlagen hart zurück und versuchen die Aktivisten mit strategischen Anklagen einzuschüchtern. So landen sie immer wieder zeitweise im Gefängnis. Dafür gibt es die Bezeichnung “SLAPP Suits” für Strategic lawsuit against public participation. Mike Roselle hat die Gruppe climate ground zero gegründet und sich nicht einschüchtern lassen.

… für nachhaltig gefangenen Fisch – Eine Kampagne des MSC

Es geht uns ja hier vor allem darum Euch Ideen und Anregungen für eigene Kampagnen und Aktionen zu geben. Daher müssen wir nicht immer aktuell sein und dürfen auch mal von bereits gelaufenen Aktionen berichten. So in diesem Fall.

Am 28. November 2011 hat unter dem Titel “Teller frei! Für nachhaltigen Fisch!” das Marine Stewardship Council MSC eine Aktionswoche an 56 Gastronomie-Standorten gestartet. An allen Standorten hatten ca. 90 000 Gäste und Kunden jeden Tag die Möglichkeit mindestens ein Fischgericht mit Fisch aus MSC-zertifierten Fang zu wählen. Laut MSC nahmen mehr Betriebe als im vergangenen Jahr an der Aktion teil. Dies spigele das steigende Interesse an nachhaltigem Fischfang wieder.

Das MSC wurde vom Umweltverband WWF und vom Lebensmittelkonzern Unilver, zu dem damals auch europas größter Fischstäbchen-Produzent Iglo gehörte, 1997 gegründet. Es vergibt ein Umweltsiegel an nachhaltig arbeitende Fischereien. Dabei ist das Siegel nicht unumstritten, wie in einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Nature  im September 2010 zu lesen war. Interviews mit dem WWF und Greenpeace wurden dazu im Stern veröffentlicht und die Antworten des MSC auf die Kritik gibt es hier.

Wir halten die Aktionswoche trotz der Kritik am MSC für eine gute Idee. Immerhin haben dadurch an 56 Gastronomie-Standorten, darunter zahlreiche Mensen und der Kölner Zoo, hungrige Menschen erfahren, dass es die Möglichkeit gibt Fische aus nachhaltigem Fang zu beziehen.

Haut rein!

Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenezen e.V. feiert am 21.Dezember ihren 40. Jahrestag. Zu diesem Anlass hat die Organisation eine Facebook-Kampagne gestartet. Über die Website www.mein-profil-fuer-msf.net können sich Facebook-Nutzer eintragen und 24 Stunden lang mit drei Einträgen auf der eigenen Pinnwand auf die Arbeit der Organisation hinweisen. Damit machen sie ihre Freunde auf den Facebook-Auftritt von Ärzte ohne Grenzen aufmerksam und tragen aktuelle Informationen über die Hilfe für Menschen in Not weiter. Das Ziel der Aktion ist es, mit dem 40. Jahrestag der MSF-Gründung 40.000 Fans des deutschsprachigen Facebook-Auftritts der Organisation zu erreichen, wie es in der Pressmitteilung heisst.

Verärgert über die Politik der Nicht-Einmischung des Roten Kreuzes während des sogenannten “Biafra-Krieges” gründete eine Gruppe junger Ärzte die Organisation Medecins sans Frontieres MSF (deutsch: Ärzte ohne Grenzen). Die Ärzte ohne Grenzen haben sich ihre kritische Haltung zum Teil bis Heute erhalten. So riefen sie einige Tage nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien dazu auf die Spenden an die Organisation für die Katastrophe einzustellen. Das Geld würde woanders dringender gebraucht, hiess es. Dazu steht die Organisation noch heute, wie Ulrike von Pilar, damals Geschäftsführerin der deutschen Sektion, dem Ärzteblatt sagte.

Wir meinen: Genug Grund mehr als sein Profil zu spenden!