Am Samstag kam hier per Facebook folgende Meldung rein: Wir suchen eine/n kreative/n Campaigner/in mit analytischen Fähigkeiten, Politikkenntnissen und einem motivierenden Schreibstil für 39h pro Woche unbefristet ab 1. Juli. Bitte weiterleiten und geeignete Leute ansprechen. P.S. Es ist echt schön mit uns zu arbeiten. Absender: Campact.

Umwelt- oder Entwicklungspolitische Organisationen, Bürgerinitiativen, Verbände, Gewerkschaft, Kirchen – wer mit seinem Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden will muss mehr tun als hin und wieder eine Presseerklärung schreiben. Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit funktioniert meist nur noch in Kampagnen. Dadurch ist ein neues Berufsbild entstanden: Das der/des Campaigner/in (oder Kampaigner/in). Sie sind sie für die Entwicklung von Strategien und Projekten zu bestimmten Themen und Themenfeldern zuständig. Campaigner/innen planen und führen die Kampagne durch. So ungefähr beschreibt es die Bundesagentur für Arbeit.

 

Als formale Vorraussetzung nennen die Arbeitsberater ein abgeschlossenes Hochschulstudium und Erfahrung in Öffentlichkeits- und politischer Arbeit. Auch wenn es die “eierlegende Wollmilchsau” nicht gibt, Campaigner/innen sind Multitalente. Sie arbeiten konzeptionell und sind Stratege. Sie sind Öffentlichkeitsarbeiter mit hoher Fachkompetenz. Sie streiten auf der Strasse für ihr Anliegen und verlieren dabei nie den Überblick. Sie gestalten das Wechselspiel von Aktion und Reaktion, behalten das Ziel im Auge und fokussieren die Diskussion. Sie mobilisieren ehrenamtliche Mitstreiter, Verbündete und die Öffentlichkeit für die Ziele ihrer Organisation. Neben der Fähigkeit einen “geraden” Text schreiben zu können, werden auch Erfahrungen im Umgang mit sozialen Netzwerken zunehmend bedeutend, manchmal unabdingbar. Vieles kann man lernen aber ohne eine hohe Einsatzbereitschaft, getrieben von der eigenen Motivation etwas  verändern zu wollen, geht es nicht.

Nicht alle Organisationen haben die Berufsbezeichnung “Campaigner/in” gewählt. Oft  werden sie Referent/in genannt. Das deutet auf auf eine eher thematische Ausrichtung hin. So beispielsweise der WWF in einer aktuellen Ausschreibung sowie vom NABU gefunden bei Greenjobs.de.

Häufig wird eine thematische Flexibilität gewünscht. Die “Techniken” der Kampagnenführung stehen im Mittelpunkt. Da passt die Berufsbezeichnung “Campaigner/in” am Besten. Die formalen Qualifikationen wie ein Studienabschluss werden nicht immer genannt. In der aktuellen Stellenbeschreibung von Campact werden einfach die Anforderungen beschrieben. Einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Aufgaben gab Jürgen Knirsch vor  einiger Zeit im Greenpeace-Blog. Ein wenig (inwischen etwas verdampfte) Kampagnenluft lässt sich hier schnuppern.

Übrigens bei der Tierrechtsorganisation PETA legt Frau/Mann wert auf gepflegtes Äußeres. Ob es da einschlägige Erfahrung gibt?

Der Campaigner/Kampaigner/Referent geht jetzt duschen!

Bei Google unterzeichneten mehr als sieben Millionen Menschen eine Petition. Die englischsprachige Wikipedia-Seite blieb Gestern “schwarz” – aus Protest. Protest gegen ein geplantes US-Gesetz, das Freiheiten im Internet bedrohen würde, der Stop Online Piracy Act (SOPA) und der Protect IP Act (PIPA).
Nun ist das 12-stündige Abschalten einer Internetseite, auch wenn es die Seite von Wikipedia ist, noch nicht spektakuläres, über das zu berichten sich lohnt. Am Mittwoch trat aber ein, was sich viele für den Euro-Rettungsschirm wünschen: Ein Hebel!
Innerhalb kurzer Zeit beteiligten sich unzählige Websites an der Aktion – Seiten von kleinen Bloggern und von großen Organisationen auch aus Deutschland. Bereits zur Mittagsstunde waren die Gesetze Thema in den Hauptnachrichten. Im Deutschlandfunk wurde um 12:00 berichtet welche deutschen Betreiber von Interseiten sich an der Protestaktion beteiligen.

Der Protes zeigt Wirkung: Mehrer US-Senatoren beider Parteien wollen ihre Haltung zu den Gesetzen “überdenken”, wie die Washington Post schreibt.

Sahen wir mit dem “Blackout Day” ein kraftvolles Protestmittel? Eine Aktion, ob im Internet oder auf dem Dach eines Atomkraftwerkes muss einige Kriterien erfüllen um erfolgreich sein zu können. Sie muss zu dem Thema, in diesem Fall zum Internet, passen. Das Thema muss viele Menschen berühren und die Freiheit im Internet betrifft praktisch alle. Das Anliegen muss verständlich und nachvollziehbar sein. Auch das war gegeben. Und die Aktion muss professionell durchgeführt und begleitet werden.

Übrigens, mit ACTA gibt ein europäisches Pendant zum SOPA, wie Markus Beckedahl von netzpolitik.org in einem Zeit-Online Interview erläutert.

Unterschriften: Übergabe gescheitert?

Eine Unterschriften-Sammelaktion, ob im Netz oder auf der Straße, gehört zu so ziemlich jeder Kampagne. Die Unterschrift ist der Minimal-Protest für die gestresste Bürgerin und den gestressten Bürger. Im Fall der FDP-Blockade gegen eine Spekulationssteuer haben Attac und Campact 100.000 Signaturen eingesammelt. Die müssen natürlich in angemessener Form, also medienwirksam, übergeben werden. Adressat ist der FDP-Parteivorsitzende Philipp Rösler. Gestern sollte die Übergabe statt finden. Doch der hatte anderes vor. Fiel deswegen das Foto für die Medien aus?

(Foto: Ruben Neugebauer / Campact)

Natürlich nicht. Die erfahrenen Campaigerinnnen und Campaigner haben damit schon gerechnet und einen “Ersatzauftritt” organisiert. Wenn es nicht der echte Herr Rösler ist, dann tut es auch ein Falscher. Der Vorteil ist dass Dieser dann Dinge sagen und tun kann, die der Echte nicht tun würde. Auf die Medienresonanz kann das sogar eine positive Wirkung haben. Ob es der echte Philipp Rösler in die “Bilder des Tages” bei nt-v geschafft hätte?

Die Sammalaktion geht weiter.

Die Marathon-Saison hat noch nicht begonnen, doch die Anmeldefristen laufen bereits. Eine Möglichkeit seinen Sport mit einer “Guten Tat” zu verbinden bietet der Spendenlauf (auch Sponsorenlauf, Benefizlauf). Es werden beispielsweise lokale Sponsoren gesucht, die etwa pro gelaufenen Kilometer oder für eine bestimmte Zeit einen Betrag X Spenden. Das eingesammelte Geld kommt dann einer gemeinnützigen Einrichtung oder einem Projekt zugute. Das kann im Rahmen einer bestehenden Laufveranstaltung geschehen oder es werden extra Spendenläufe organisiert. Letzteres ist an Schulen beliebt. So hat das Wilhelm-Gymnasium in Hamburg 2009 einen Spendenlauf zu Gunsten des UNICEF-Bildungsprojektes “Schulen Für Afrika” organisiert und dabei über 12.000 € erlaufen.

Die Welthungerhilfe unterstützt mit ihrer Kampagne LebensLäufe zusammen mit dem Deutschen Leichtathletikverband die Organisation solcher Veranstaltungen und stellt u.a. Lehrmaterial zum Thema bereit.

Wer gerne einen der großen Städtemarathons nutzen möchte kann selbstverständlich selbst aktiv werden oder aber z. B. beim Haspa-Marathon in Hamburg unter dem Slogan “Dein Schweiss für Wasser!” einen Charity-Startplatz von Viva con Agua für ein etwas höheres Startgeld buchen.

Die Hilf- und Entwicklungsorganisation Oxfam veranstaltet einmal im Jahr den Trailwalker, ein 100km Trekkinglauf durch den Harz. Dabei sammelt ein Team, bestehend aus vier Menschen 2.000 € vor dem Start als Spenden ein.

In England geht es noch professioneller zu. Dort meldet man sich für einen der großen Läufe wie dem London Marathon im Oxfam-Team an. Damit verpflichtet die Läuferin oder der Läufer sich neben der Startgebühr einen Mindesbetrag an Spenden zu sammeln. Dafür gibt es dann Hilfe und Tipps für die eigene Kampagne, die eigene Homepage inklusiv.

Ebenso professionell kann man über Agenturen wie Virgin Money Giving oder JustGiving eine passende Veranstaltung sowie eine passende Organisation die das Geld bekommen soll finden. Die Agenturen arbeiten mit Fundraisern der entsprechenden Organisation zusammen.

Der Campaigner geht jetzt trainieren.

Die Umweltbilanz des US-Präsidenten Obama fällt dürftig aus aber die Kritik daran hält sich in Grenzen. Es erfordert Mut einen Präsidenten der Demoktaten im Wahljahr zu kritisieren. Zu leicht könnten die Töpfe der Demokraten-Förderer für die Kritiker geschlossen werden. Im Couterpunch, einem politischen Newsletter aus den Vereinigten Staaten wurden zu Jahresbeginn “Zehn aufrichtige Gruppen von Ökoaktivisten, die etwas bewirken und Umweltschutz vor politische Interessen stellen”, vorgestellt. Hier sind zwei Initiativen, die uns besonders sympathisch sind:

Die Buffalo Field Campaign

Seit 1985 hat die Regierung des Bundesstaates Montana im Einklang mit Viehzüchtern über 6.800 Bisons getötet. Die Tiere sind aus dem Yellowstone National Park abgewandert. Das Schlachten wird mit der möglichen Übertragung von Brucellose, die man hier auch unter den Bezeichnungen Mittelmeer- oder Maltafieber kennt, auf die Kühe begründet. Allerdings wurde bisher keine Übertragung von einem Bison auf eine Kuh nachgewiesen. Auch andere Gründe sprechen den Aktivisten zufolge gegen eine mögliche Übertragung. Die Buffalo Field Campaign hat das “schreckliche Blutbad” als politische Trickserei entlarvt. Die Aktivisten dokumentieren das Töten und stellen sich zwischen zwischen die Bisons und ihre Jäger. Wer mitprotestieren und einen Brief an President Obama senden möchte kann hier tun:

Die climate ground zero Kampagne

Die Kämpfe an der Front gegen den Kohleabbau in den USA werden nicht in Durban oder in Washington ausgetragen. Sie finden in den Minenstädten in Kentucky, Tennessee und West Virginia statt.  Dort setzen sich die Einwohner mit Ihrem Körper zur Wehr und versuchen eine besonders brutale Methode des Kohlebergbaus, das sogenannte “top removal mining“, zu verhindern. Mit dieser Methode werden riesige Waldflächen vernichtet, toxische Rückstände begraben und die Lebensweise der Bergbevölkerung zerstört. Die Bergbauunternehmen schlagen hart zurück und versuchen die Aktivisten mit strategischen Anklagen einzuschüchtern. So landen sie immer wieder zeitweise im Gefängnis. Dafür gibt es die Bezeichnung “SLAPP Suits” für Strategic lawsuit against public participation. Mike Roselle hat die Gruppe climate ground zero gegründet und sich nicht einschüchtern lassen.