Aus aktuellem Anlass, heute ein kleiner Ausflug in die Welt der Fundraising-Kampagnen.

Soeben fand ich auf einem meiner Lieblings-Blogs, dem moto1203-blog den Hinweis auf eine Spendenaktion des Deutschen Roten Kreuzes, DRK: Per SMS  5€ spenden an das DRK für die Hilfe der Erdbebenopfer in Haiti. Den Aufruf mitzumachen kann ich nur unterstützen.

Spenden per SMS an das DRK funktioniert über die Online-Fundraising-Agentur Spendino. Ihr sendet ein Schlüsselwort, in dem Fall “DRK”, das in das Textfeld geschrieben wird an eine Kurzwahlnummer, hier die 81190. Anschließend erfolgt eine automatische Abbuchung des vorher festgelegten Spenden-Betrages vom Guthaben bzw. mit der nächsten Mobilfunk-Rechnung. Auf der Homepage von Spendino finden sich auch noch weitere Haiti-Spendenaktionen, beispielsweise an die Aktion Deutschland hilft oder die Diakonie Katastrophenhilfe.

Das DRK wurde dabei von der Schwester-Organisation aus den USA inspiriert. Wie Spendino in einer Pressemitteilung von Heute mitteilt hat das Amerikanische Rote Kreuz prominente Unterstützung erhalten. Der amtierende US Präsident Barak Obama hat noch am Mittwoch via Twitter um SMS-Spenden gebeten. Dem Aufruf zur sogenannten “text donation” folgten Tausende. Sie wollten unkompliziert einen kleinen Beitrag geben und so wurde schnell der beeindruckende Betrag von 2 Millionen Dollar zusammen getragen.

Wie man z.B. auch hier bei Netmoms sehen kann, scheint sich der Aufruf schnell in der Netzwelt zu verbreiten. Auch wir wollen diese Nachricht hiermit weiter verteilen.

Der Kampagne-Berater.

Dass Computer und andere Artikel aus dem Bereich Konsumenten-Elektronik unter Umweltgsichtspunkten Probleme in sich bergen ist nicht neu. Wegen des hohen Energieverbrauchs stehen Computer und das Internet schon länger in der Kritik, wie die Tagesschau bereits 2008 berichtete. Immer wieder weisen Organisationen wie das Basel Action Network, BAN darauf hin, dass Elektronik-Schrott aus den USA und Europa auf Mülllkippen in Afrika, Indien oder China landet und dort Böden und Trinkwasser verseucht. Den “Grünen Computer” gibt es noch nicht, aber die Enwicklungen laufen. Auf der CeBIT gibt es inzwischen einen eigenen Bereich, der CeBIT green IT 2010 zu dem Thema.

Ein wirksames Kampagnen-Instrument, um schnellere Fortschritte in der Computer-Branche auf dem Weg zu einer “grünen IT” zu erreichen, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace entwickelt. Gerade ist in Las Vegas die “Consumer Electronics Show“, CES 2010 zu Ende gegangen. Zu Beginn der Show, am 7. Januar hat Greenpeace zum 14. mal (seit August 2006) einen Konsumenten-Ratgeber “Guide to Greener Electronics” veröffentlicht. “Greenpeace lobt Apple, Nokia und Sony-Ericsson” verbreitete die dpa und wurde u.a. von der Zeit-Online aufgegriffen. Gestern, zum Ende der Messe, schrieb die New York Times in ihrer Online-Ausgabe “Green Guide to Electronics Is Disputed, but Influential“. Darin wird die Erfolgsgeschichte des Instrumentes beschrieben.

Aber was macht einen Konsumenten-Ratgeber zu einem erfolgreichen Kampagnen-Element?

Zum einen ist es die Beschränkung auf die 18 größten Hersteller. Das macht den Giude überschaubar und einfacher auf einem stets aktuellen Stand zu halten. Zum anderen sind es die Namen der Hersteller und die eindeutige Zuordnung zu deren Produkten. Wesentlich sind aber die dahinter stehenden Kampagnen. Greenpeace beschränkt sich nicht darauf, eine Liste – oder einen Einkaufsführer – zu veröffentlichen, sondern arbeitet kontinuierlich daran, einzelne Hersteller zu einer Veränderung ihrer Produkte zu drängen. Das Lob an Apple kennzeichnet das  (vorläufige) Ende einer Kampagne gegen Apple, bzw. für ein “grüneres Apple”.

Die Apple-Kampagne wurde mit den Greenpeace typischen Aktionen und anderen Elementen beispielsweise einer speziellen Website, die dem Design der Apple-Website nachempfunden wurde, geführt. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist das Image von Apple. Apples Produkte rufen in der Fangemeinde große Emotionen hervor. Das gehört zur Strategie von Apple. Eine solche Marke anzugreifen ist für die Öffentlichkeit viel interessanter als einen Hersteller aus Fernost ohne ein besonderes Image.

Ob sich der Erfolg darum wiederholen lässt, wird sich zeigen. Derzeit steht Samsung im Fokus der aktuellen Kampagne, weil laut Greenpeace gegebene Ankündigungen nicht eingehalten wurden. Mit einer “Twitter-Petition” wollen die Umweltschützer Samsung dazu bewegen, keine giftigen Substanzen mehr einzusetzen. Zur weiteren Unterstützung der  Kampagne können Interessierte hier eine E-Mail an nahezu alle Hersteller mit der Aufforderung auf die schädlichsten Chemikalien zu verzichten senden. Greenpeace informierte übrigens direkt von der “Consumer Electronics Show” in einem Extra-Blog.

Wir freuen uns schon auf die CeBIT.

Gestern erreichte mich eine Einladung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft zu einer Tagung mit dem Titel “Die Milch macht´s – Internationale Tagung zur weltweiten Agrarpolitik und Ernährungssouveränität”. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft verfolgt den ganzheitlichen Ansatz der biologischen Landwirtschaft mit der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln. Träger der Veranstaltung ist der Weltagrarbericht, eine Initiative der auch Organisationen wie der Evangelische Entwicklungsdienst, Misereor oder der Naturschutzbund angehören, unter dem Dach der Zukunftsstiftung.

Das Thema der Tagung ist die Situation der Milchbäuerinnen und -bauern in Ländern der Nord- und Südhalbkugel und mögliche Lösungswege.

Die Veranstaltung findet einen Tag vor der Eröffnung des „Global Forum on Food and Agriculture“, dem „Davos der Landwirtschaft“, wie es Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner letztes Jahr nannte. Somit wird hier der Anlass des Globalen Forums genutzt um zusätzliche Informationen und alternative Ansätze bekannt zu machen.

Solche Veranstaltungen sind oft auch der Auftakt für beginnende Kampagnen. Sie bieten vielfache Möglichkeiten zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Medienvertreter, Interessierte und Experten haben Gelegenheit sich auf einer solchen Tagung aus erster Hand zu informieren und mit den Vertreterinnen und Vertretern der Verbände zu dikutieren. Schon die Ankündigung und Einladungen sind Kommunikationsmittel und Berichtsanlass für einschlägige Medien. Im Anschluss an die Veranstaltung werden Ergebnisse publiziert und verbreitet.

Tagungen, oder in etwas kleinerer Form – beispielsweise in einer abendlichen Podiumsdiskussion – sind auch für kleine lokale Initiativen ein geeignete Elemente einer Kampagne. Allerdings sollten sie nicht allzu häufig statttfinden, interessante neue Aspekte bieten und in einem professionellem Rahmen durchgeführt werden. Das heisst ein ausreichend großer Raum, vernünftige Akustik und eine gute Moderation. Sicher würde bei einer ein- oder mehrtägigen Veranstaltung eine quasi “Life-Berichterstattung” etwa bei Twitter die Aufmerksamkeit für das Thema erhöhen.

Für Interessierte am Thema: Die Tagung findet am Mittwoch, 13. Januar 2010 bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin statt. Hier ist die Anmeldung per E-Mail möglich.

Als Nachtrag zu meinem Beitrag von neulich über die Jahrestage und der Kür des Schönbärs zum Schmetterling des Jahres sei hier noch ein Artikel über “Das Ding des Jahres” aus der WELT-Online vom 4. Januar erwähnt.

Neben dem “Ding des Jahres” haben wir auch ein “Jahr des Dings”. Das Jahr 2010 ist beispielweise nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Tigers. Das ist doch ein gefundener Aufhänger für eine Artenschutz-Kampagne. Zumal die Vereinten Nationen dieses Jahr zum “International Year of Biodiversity” ausgerufen haben (neben dem Internationalen Jahr der Annäherung der Kulturen, das auch 2010 stattfindet). Eine Web-Site zum “Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt” hat die Internationale Naturschutz-Organisation IUCN als offizieller Partner mit “Countdown2010 eingerichtet.

Die Recherche über Ereignisse, Jubiläen und Veranstaltungen gehört zum Standart jeder Kampagnen-Planung. Viele Daten zu den jeweiligen Ereignissen finden sich auf den Seiten der Initiatoren und deren Mitveranstalter. Die Unesco veröffentlicht im Internet eine ganze Liste mit Jahrestagen, -Monaten und -Wochen der Gedenkanlässe der Vereinten Nationen.

Wie im letzten Beitrag “Klare Seite gegen Armut” erwähnt, haben die Mitglieder der Europäischen Union 2010 zum “Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung” ausgerufen.

Für Klimaschutz-Kampaigner lohnt sich vielleicht bald ein Blick auf die Seiten des Wissenschaftsjahr 2010. Dieses steht nämlich unter dem Motto “Zukunft der Energie“. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und von Wissenschaft im Dialog. Zielgruppe sind vor allem junge Menschen. Noch ist die Web-Site allerdings etwas spärlich.

Die Europäische Union hat für 2010 das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ausgerufen. Österreichische Sozialverbände haben dazu unter dem Dach der Armutskonferenz eine Protestbrief-Kampagne gestartet. Bürgerinnen und Bürger werden aufgefordert einen Brief, bzw. eine E-Mail an den Finanzminister Österreichs Josef Pröll und den Kanzler Werner Faymann zu schreiben und darin die Forderungen der Armutskonferenz zu unterstützen.

Das besondere daran ist die Internet-Site, die zu diesem Zweck eingerichtet wurde und zielgerichtet optimiert wurde. Angelehnt an die Form einer Landing Page aus dem E-Commerce zeichnet sich die Seite durch eine eigene Domain gegen.armut.at aus. Unter dem Titel “Armut bekämpfen, Armut vermeiden!” findet der Besucher eine einzige Seite, die knapp über das Anliegen informiert und ohne weitere Ablenkung zur Aktion aufruft. Alles auf einer Seite. Im Zentrum steht das Anschreiben. Wer mehr zum Thema wissen möchte, findet Links mit denen ein neues Fenster geöffnet wird – die eigentliche Seite bleibt erhalten. Schließlich soll der Besucher nicht vergessen seinen Protestbrief abzuschicken.