Erinnert sich Jemand an Invisible Children? Richtig, da war etwas: Am 5. März hat die amerikanische Non-Profit-Organisation Invisible Children das halb-stündige Video “Kony2012″ bei You Tube eingestellt, bei Vimeo schon einige Tage zuvor. Knapp zwei Wochen später wurde es bereits 80 Millionen mal angeklickt. Schon nach kurzer Zeit war das Video weltweit bekannt. In dem Film ruft die Organisation zur Festnahme des Kriegsverbrechers “Joseph Kony” auf. Eine höchst umstittenene Kampagne zum Aufruf eines Militäreinsatzes. Dennoch – die Kampagne Kony2012 “hat die Maßstäbe für gelungene Massenmobilisierung im Netz gewaltig verschoben”, schreibt Niclas Hoffmann im Digitalblog der Süddeutschen Zeitung.
Dass kurze prägnante Filme ein wesentliches Element einer Kampagne sein können wissen wir nicht erst seit der umstrittenen Kampagne Kony2012 von Invisible Children.
Bereits 2007 hatte meine ehemalige Greenpeace-Kollegin Annie Leonard die Idee den Lebenszyklus eines Produktes, vom Rohstoffabbau bis zur Müllentsorgung, in einem 20-minütigen Zeichentrickfilm darzustellen. Zusammen mit den Grafik-Designern von Free Range machte sie sich an die Arbeit. Ihr Ziel waren 50.000 Views, 50.000 Besucher also, die sich den Film im Internet ansehen. Mit dem Ergebnis ”The Story of Stuff” traf sie damit offensichtlich einen Nerv. Der Film wurde inzwischen über 15 Millionen mal angeklickt und dürfte zu einem der meist gesehensten Umwelt-Filme im Internet geworden sein.
Die Filme wirken vor allem durch ihre Darstellung in Form von Cartoons, der Zuspitzung der Problematik und der authentischen Präsentation der Gründerin Annie Leonard. Vor Jahren waren wir einmal im Hafen von Jakarta/Indonesien anlässlich einer Veranstaltung auf einem Greenpeace-Schiff. Als Annie sah, dass ein ahnungsloses Crew-Mitglied die Fotos einer Ausstellung über den internationalen Müllhandel zum Schutz vor dem Monsun in Plasikfolie eingeschweißt hatte, ist sie explodiert. Kein Wunder: Sie kam gerade von einer Reise und hatte Plastik- und Elektronikmüll aus Europa und den USA in ganz Asien verstreut gefunden.
Das Buch und den Film gibt es auch auf deutsch beim Ullstein-Verlag. Leider verliert die deutsche Übersetzung des Films die Authentizität und wirkt daher stellenweise etwas schulmeisterisch. Wer kann sollte sich unbedingt das Origanal ansehen.
Erfolgreiche Kampagnen und Projekte starten mit einem Auftakt und enden mit einem Abschluss. Letzteres fällt häufig unter den Tisch. Nicht so bei Brot für die Welt.
Mit einer Abschlussveranstaltung und anschließender Feier beendet Brot für die Welt heute in Berlin seine Kampagne für Ernährungssicherheit “Niemand is(s)t für sich allein”. Mit der Frage “Ist Essen bald Luxus?” hat die Organisation einen Tag vor dem Welternährungstag in den Französischen Dom in Berlin eingeladen.
Copyright: Frank Schultze / Brot für die Welt
Die Kampagne, so Carolin Callenius von Brot für die Welt, begann am 16. Oktober 2006 und hatte die Themen Welthandel mit Nahrunsmittteln und Auswirkungen unserer Ernährungsweisen auf die Länder des Südens zum Inhalt. Mit verschiedenen Schwerpunktthemen und Forderungen hat Brot für die Welt – wenn auch nicht alleine – erreicht, dass die Thematik um eine nachhaltige Lebensweise mit Konsum und Ernährung in der Mitte der Gesellschschaft angekommen sei, so Carolin Callenius.
Wir von CampaignOnline finden es beispielhaft eine Kampagne so klar abzuschließen und die Ergebnisse zu veröffentlichen, würden hier allerdings eher von einem Programm bestehend aus mehreren Kampagnen sprechen.
Die Kampagnen-Bilanz kann in der digitalen Pressemappe von Brot für die Weltnachgehört werden. Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr.
Apotheker schicken ihre Kittel an Bundesgesundheitsminister Bahr
Mit einer Kampagne gegen das Wortungetüm “Arzneimittelmarktneupordnungsgesetz” (AMNOK) und die aktuelle Honorarpolitik der Bundesregierung kämpft zur Zeit die Apothekerkammer Niedersachsen. Bereits am 28. September haben die Apotheker unter dem Motto “Pflaster drauf und gut!?” 15.000 Unterschriften der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkanübergeben. Ihr Anliegen: Die niedersächsische Landesregierung möge für Gehör bei der Bundesregierung sorgen. Nach Angaben der Kammer würde die jetzt geplante Erhöhung von 25 Cent pro rezeptpflichtiges Arzneimittel die Versorgung auf dem Land gefährden. Bereits jetzt müssten sechs Apotheken in der Woche in Deutschland schließen.
Foto: LAK-Niedersachsen
Heute legen die niedersächsischen Apotheker nach. In einer Protestaktion schicken die Apotheker ihre Kittel an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, kurz bevor dieser seine Reise zum Deutschen Apothekertag in München antritt.
Foto: LAK-Niedersachsen
Unterschriftensammlungen und Übergaben oder Online-Petitionen sind für Verbände eine Art Alltagswerkzeug, also nichts Besonderes. Damit diese Übergaben eine Medienresonanz erzeugen braucht es entweder einen Missstand der sofort verstanden und geteilt wird oder mindestens eine mediengerechte Inszenierung. Noch besser gelingt die Medienarbeit, wenn dabei noch ein passendes Symbol übergeben wird.
Protestbriefe mit einem passenden Symbol, in diesem Fall dem Apotheker-Kittel, in größerem Umfang an den zuständigen Minister zu schicken ist ein schönes Beispiel für diese gelunge Verknüpfung und wird als Anregung in unser Kampagnen-Archiv aufgenommen.
Es sieht wie eine Projektbereinigung des neuen Umweltministers Peter Altmaier aus: Konzentration auf die Energiewende, für alle Fälle ein sicheres Erfolgsprojekt mit der neuen Wertstofftonne angehen und streichen der Projekte ohne Chance. Dazu gehört ohne Zweifel die geplante CO2-Abspaltung und -Speicherung, Carbon Dioxide Capture and Storage, kurz CCS. In einem Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung hat Altmaier gesagt, dass er für Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke mit CCS-Technologie er derzeit in keinem Bundesland eine politische Akzeptanz sehe. Damit dürfte die Idee trotz des Kompromisses im Bundesrat endgültig beerdigt sein.
Jahrelang haben Initiativen und Verbände die Technologie bekämpft. Jetzt muss der Erfolg gebührend gefeiert werden. Damit werden die Kampagnen und Projekte abgeschlossen. Das gelungene Ende einer Kampagnen gehört genauso wie der gelungene Auftakt zur Kampagne dazu. Es ist die (vielleicht letzte) Gelegenheit seine Arbeit nochmal mit dem Thema in Verbindung zu bringen, sich bei MitstreiterInnnen zu bedanken und “aufzuräumen” um den Kopf frei für neue Projekte zu machen.