(Foto: Oxfam)

Mit einer Aktion startete die Entwicklungsorganisation Oxfam heute vor der Hauptversammlung des Münchner Versicherungskonzern Allianz eine Kampagne gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Besonders gelungen ist das Aktionsfoto: Ein gut lesbares Banner für das es keine weiteren Erklärungen braucht, Spiel mit den Farben, das sofort erkennen lässt wer die “Guten” sind, unterstützt durch freundliche – in diesem Fall Aktivistinnen. Das Ganze zeitgleich mit der Veröffentlichung einer Studie über die Spekulations-Praktiken.

Die Online-Medienresonanz ist beachtlich. Eine kurze Suche bei Google ergab am Nachmittag 96 Meldungen. Das dürfte sich auch in den Hörfunk-, und TV-Nachrichten sowie in den Printmedien bemerkbar machen. Wer mehr über die Studie erfahren möchte kann hier bei Oxfam rein schauen.

Glückwunsch an Oxfam und das Kampagnenteam – Wir drücken die Daumen!

Übrigens, wer Oxfam über Twitter folgt, kann die Allianz-Aktion quasi miterleben. Eine Petitition, die im Herbst an Finanzminister Schäuble übergeben werden soll, kann hier unterstützt werden (Wir haben berichtet).

Der Kampaigner berät heute einen Chemie-Giganten – Honorarfrei!

In diesen Tagen veröffentlichte die “Whistle-Blower-Platform” Wikileaks E-Mails, aus denen hevorgeht, dass das US-Chemieunternehmen Dow Chemical Spione ausgesendet hatte. So berichte DRadio. Die Spione von der “Intelligence Company” Strafor versuchten mögliche geplante Aktivitäten von “Bhopal Aktivisten” gegen Dow Chemical auszukundschaften. So z.b. auch von der Künstler-Aktionsgrupe The Yesman.

Bhopal, das steht für eine der schlimmsten Chemie-Katastrophen der Welt und geschah 1984 in der indischen Stadt Bhopal. Schätzungen zu Folge gab es bis zu 25.000 Tote und eine halben Million Verletzter. Überlebende und Angehörige kämpfen noch Heute um ausreichende Entschädigungen. Das Gelände des damaligen Besitzers, Union Carbide ist hochgradig verseucht. 2001 kaufte Dow Chemical Union Carbide und wurde somit neuer Besitzer des Geländes und zumindest in den Augen der Betroffenen auch neuer Verantwortlicher für die Folgen der Katastrophe.

Ene andere Gschichte: Im Jahr 1965 veröffentlichte ein Rechtsanwalt namens Ralph Nader ein Buch mit dem Titel “Unsafe at any Speed”. Darin prangerte er konstruktionsbedingte Sicherheitmängel an Autos an. Das berühmteste Beispiel war der damals sehr populäre Wagen “Corvair” von General Motors. Bis auf ein paar Rezensionen war das Interesse an diesem Buch eher gering. Erst als aus Angst vor einem Rechtsstreit General Motors Privatdetektive angeheuert hatte, damit diese Informationen finden um Ralh Nader in Mißkredit zu bringen und Prostituierte auf ihn angesetzt wurden, stieg das Interesse. Sein Buch wurde zum Bestseller. Ralph Nader gründete später die Verbraucherschutz-Organisation Nader.org die sich regelmäßig mit großen Unternehmen anlegt.

Nun gehört es zur Kampagnen-Strategie seinen Gegner aus der Reserve zu locken und zu unüberlegten Aktivitäten zu verführen. Dass aber Unternehmen wie Dow Chemical heute noch zu solchen Mitteln greifen, verwundert einen. Aber es verwundert auch, wie man sich die vielleicht berühmteste Altlast der Welt kaufen kann und dabei glaubt, dass das Problem sich einfach auflöst. Wo waren die hoch bezahlten Berater?

Liebe PR-Kollegen von Dow, spart euch die Honorare für “Intelligence Companies”. Diese Suppe müsst Ihr auslöffeln – am Besten gleich!

“There ist no Planet B and so there can be no Plan B”, so Julia Marton-Lefèvre, Generaldirektorin der Internationalen Naturschutzorganisation IUCN am 28. Oktober auf der Konferenz über biologische Artenvielfalt CBD in Nagoya, Japan.

Ein treffender Satz, der wiederholt werden musste, weil er das Potenzial zum erfolgreichen Kampagnen-Slogan hat.

Macht er doch deutlich, dass wir mit unserer Lebensweise in den Industrienationen die Ressourcen des Planeten übernutzen und dringend umsteuern müssen. Nachhaltigkeit ist das Stichwort. Das nachhaltigen Wirtschaften auch etwas mit gerechtem Handel und mit unserem persönlichen Kosumverhalten zu tun hat haben wir verstanden weil wir vielleicht die Multivisions-Show “Fair Future“  gesehen haben. Die Kunst einer Kampagne besteht aber immer darin aus Betroffenheit Aktivitäten zu erzeugen, die in einen Prozess des permanenten Fortschritts münden. Das bedeutet eigenes Handeln ermöglichen und Mitmenschen zum mitmachen zu bewegen.

Genau dieses macht der Verein Transfair mit seinem Fairtrade-Siegel und seiner Kampagne “Fairtrade Towns“.

Die Kampagnen zum Fairen Handel werden auch durch Persönlichkeiten wie der Sängerin Annet Louisan und dem BVB-Trainer Jürgen Klopp, fotografiert von Jim Rakete in die Öffentlichkeit getragen.

Damit es aber nicht nur beim gelegentlichen Kauf fair gehandelter Schokolade bleibt, bilden sich immer mehr Initiativen, die das Prinzip des gerechten Handels auf ihre Kommunen übertragen möchten. Am Wochenende findet nun in Bonn und damit erstmals in Deutschland die “4. Internationale Fairtrade-Town Konferenz” statt. Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz ist der Erfahrungsausstausch und die Präsentation verschiedener “Best Practice” Beispiele.

Wie bei den Kollegen von Entwicklungspolitik Online EPO zu lesen ist, feiert die Kampagne gleichzeitig ihr zehntes Jubiläum. Um Fairtrade-Town zu werden müssen fünf Kriterien erfüllt sein, darunter zum Beispiel der Ausschank fair gehandelten Kaffees im Rathaus und in öffentlichen Einrichtungen.

Weltweit wird demnächst die 1.000 Stadt mit dem Siegel “Fairtrade-Town” belohnt. Als erste deutsche Stadt wurde im Januar 2009 Saarbrücken zertifiziert. Inzwischen gibt es in Deutschland immerhin schon 26 Städte und Gemeinden mit dem Siegel und es werden ständig mehr.

Aus dem Blickwinkel des Campaigners eine perfekte Kampagnen-Konstruktion weil Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichzeitig ihr Verhalten verändern und sich zudem auf allen Ebenen engagieren können: zu Hause, in der Schule, im Rathaus …

Wem der Konsum fair gehandelter Waren nicht weit genug geht, kann sich auch am 27. November am “Buy Nothing Day” beteiligen – aber darüber später mehr.

Worauf wartet Ihr?

Mein Engagement als Kampagnen-Leiter bei den Hamburger Schulreformbefürwortern, den Schulverbesserern, ist beendet und das Ergebnis eindeutig: Hamburgs Wähler lehnen sechs Jahre gemeinsames Lernen in einer sogenannten Primarschule ab. Damit ist die Kampagne verloren. Kann man aus einer verlorenen Kammpagne etwas lernen? Aber ja – jede Menge. Aber dazu ist es noch zu früh. Jetzt gilt es erstmal die Wunden zu lecken und Mut zu machen. Dafür gibt es durchaus Gründe.

Eine kleine Geschichte:
Mitte der Achtziger Jahre erschienen in der Weltpresse immer häufiger Berichte, nach denen giftige Abfälle aus reichen Industrienationen in arme Länder der sogenannten Dritten Welt exportiert wurden. Bereits 1986 wurden 163 Millionen Tonnen Müll exportiert. Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace, zu der ich damals gestoßen bin, begann einzelne Fälle aufzudecken: Über mit Giftmüll beladene Geisterschiffe, die auf den Meeren dümpelten und keinen Hafen mehr anlaufen durften. Oder über nigerianische Hinterhöfe voller Giftmüll-Fässern aus Europa.

1989 wurde die “Basler Konvention zur Regelung des internationalen Handel mit toxischen Abfällen” ins Leben gerufen. Das von uns geforderte Exportverbot für Giftmüll aus reichen Industrienation in ärmere Länder kam nicht zustande. Es wurden lediglich ein paar leicht zu umgehende Regularien beschlossen. Zu den großen Verhinderern gehörten ausgerechnet die beiden deutschen Staaten DDR und BRD, die ihren “innerdeutschen” Handel ungehindert weiter betreiben wollten.

Wir änderten unsere Strategie. Mit großem Recherche-Aufwand gelang es einen Giftmüllskandal nach dem anderen aufzudecken. Das Thema beherrschte schon nach ein paar Monaten die Medien. Der Mauerfall brachte immer wieder neue Fälle ans Licht. Gleichzeitig verstärkte Greenpeace die Lobbyarbeit in den betrofffenen Ländern – und war erfolgreich. Ein Land nach dem anderen erließ ein Importverbot für Giftmüll, regionale Konventionen wie die von Bamako oder Cartagena nahmen die Importverbote in ihre Verträge auf. Schon 1992 haben 88 Staaten ein generelles Importverbot für Giftmüll verhängt. Im März 1994 kam der große Erfolg. Nach mehrfach erfolglosen Versuchen beschließen die Mitglieder des Basler Übereinkommens im Konsens ein generelles Exportverbot für Giftmüll aus dem Gebiet der OECD-Mitgliedssaaten in das Gebiet der Nicht-Mitglieder. Es dauerte noch einige Jahre bis der Beschluss welteit in geltendes Recht umgesetzt war. Das Übereinkommen hat bis heute Bestand.

Der verlorene Volksentscheid um die Primarschule könnte auch der Anfang einer Erfolgsgeschichte werden …